Bauherr: Burgenländische Krankenanstalten GmbH
Ort: Gols
Zeitraum: 2025 - 2025
Leistungen: Planung
PROJEKTDATEN:
Nutzfläche gesamt: 18.465m²
BGF gesamt: 36.319m²
Betten stationär: 132
Betreuungsplätze ambulant: 46
Wettbewerb: 01-06/2025, Nachrücker
Projektpartner: Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH, Wien
Freiraumplanung: DnD Landschaftsplanung ZT GmbH, Wien
Schaubild: Patricia Bagienski-Grandits
Fotos Modell: Bartosz Lewandowski
Text: Sandra Maria Haas / Christoph Pichler
In Gols / Burgenland entsteht eine neues Leitspital. Die Leuchtturmfunktion der Klinik Gols soll vor allem durch die Abteilung Urologie mit dem Angebot
des Steinzentrums und durch die Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Angebot eines Hernienzentrums entstehen.Der Entwurf stellt ein Gebäude im Sinne einer begehbaren heilenden Landschaft in das Zentrum..
The Healing Landscape
Dieser Ort ist nicht unberührt, aber doch wenig kulturell bestimmt. Topografisch ist er nahezu flach, minimal fallend Richtung See, im Norden und Osten zweiseitig gerahmt von Verkehrsstraßen. Der Großteil der Umgebung wurde wie auch der zu bebauende Ort bisher landwirtschaftlich genutzt: Weinbau mit Reblinien parallel zur Landesstraße Richtung See, vereinzelter Baumbestand Richtung Süden. Es handelt sich hierbei um genutzten Landschaftsraum in seiner unprätentiösen, selbstverständlichen und wohltuenden Anmutung. Einzig der nördliche angrenzende Gewerbebau irritiert nicht nur den Landschaftsteppich, sondern stellt sich störend in den Blick von der Aussichtsplattform Ungerberg in Richtung See.
Aus der „richtungslosen“ städtebaulichen Disposition einerseits und der Kraft des durch die stark „gerichteten“ Rebzeilen charakterisierten Naturteppichs andererseits wird das Konzept einer „heilenden Landschaft“ entwickelt, und zwar in mehrfacher Hinsicht:
Tektonisch wird die Landschaft auf den Sockel des Gebäudes, um und in das Haus gezogen
Die Architektur bildet eine Symbiose mit der Landschaft
Ein zentraler Canyon durch den erdgeschossigen Landschaftssockel choreografiert den Weg vom „urbanen“ Eingang im Norden bis hin zur Terrasse mit Seeblick
Die beiden kreisrunden Baukörper der Obergeschosse ermöglichen Bezug zur Weitläufigkeit der Umgebung
Erdgeschossiger Canyon und die Unaufgeregtheit der radialen Äquidistanz
Verkehrstechnisch erfolgt die Anbindung an der nordwestlichen Ecke des Bauplatzes der Neusiedlerstraße. Die winkelförmige Konfiguration der Sockelfassade bietet eine klare Eingangssituation in das Objekt mit vorgelagerten PKW-Stellplätzen für die Patient:innen / Besucher:innen. Vom nordöstlich situierten Hubschrauberlandeplatz erreicht man über einen gesonderten Zugang zudem direkt die ZAE-Ambulanz. Die Zufahrt zum südlichen PKW-Parkplatz (primär für Mitarbeiter:innen) sowie die erforderlichen An-/ Ablieferungen erfolgen an der westlichen Grundstücksgrenze. Der durch Ausnützung des leichtfallenden Bauplatzes um ein Geschoß tiefer liegende Parkplatz wird an der südwestlichen Grundstücksecke von der bestehenden Nebenstraße aus erschlossen. Er bietet ebenerdige Anbindung der Logistikflächen im östlichen Schenkel wie auch direkten Zugang zum Personal-Umkleidebereich sowie Betriebskindergarten (mit vorgelagertem Freibereich) im westlichen Schenkel.
Westlich situiert ist der Bereich für Dialyse, ambulante Betreuung und Einrichtung sowie die „nichtmedizinische“ Zone mit Geschäften, Mehrzwecksaal und Café mit Terrasse als südwestlichem Abschluss. Die Anbindung der drei Obergeschosse erfolgt mit beidseitigen Aufzugsanlagen aus dem Zentralraum des Canyons – übersichtlich und mit kurzen Wegen. Die beiden Atrien der Obergeschosse werden bis in das UG durchgestanzt und sorgen für Tageslicht und Außenbezug.
Funktional befinden sich im ersten OG die Geriatrie mit zugeordneter Therapie inklusive Freibereich am Dach sowie die Station für Intensivmedizin. Ergänzend werden im nördlichen Segment die Bereiche für das Krankenhausmanagement untergebracht. Geradezu ideal lassen sich im zweiten OG die vier Bettenstationen etablieren: Die umgebende Landschaft wird atmosphärisch höchstmöglich und gleichwertig in die Patient:innen-Zimmer am Außenradius eines der beiden Kreise geholt. Behandlungsräume, Nebenräume und Personalbereich hingegen gruppieren sich um das jeweilige rechteckige Atrium. Erschließungsbereiche werden aufgrund dieser Grundrissgeometrie zu sich weitenden und wieder verjüngenden, gut strukturierten Raumzonen, Gänge hingegen vermieden. Auf dem südöstlichen kreisförmigen Baukörper befindet sich ein oberstes, ringförmiges Geschoß mit Mitarbeiter:innen-Speisebereich samt großzügiger, gedeckter Terrasse sowie Räumlichkeiten für die Technik.
Freiraumkonzept
Die Klinik Gols setzt auf ein Freiraumkonzept, das Elemente der burgenländischen Landschaft einfängt und auf dem Klinikgelände umsetzt. Bestehende Strukturen wie Weinreben und lineare Mischhecken bilden das Grundgerüst, das Teilräume für Erholung und Aufenthalt schafft und Lebensraum für Insekten und Vögel bietet.
Organische Formen aus der Umgebung des Neusiedlersees fließen ebenfalls in das Gestaltungskonzept ein, um Natur und Architektur harmonisch zu verbinden. Eine durchdachte Erschließung des Areals mit neuen Wegen und einem gemeinschaftlich nutzbaren Gartenbereich schafft Aufenthaltsqualität und Ruheoasen. Ein Therapiegarten auf dem Dach dient medizinischen Zwecken und der Erholung.
Die Parkflächen sind mit sickerfähigen Rasensteinen gestaltet, um die Versickerung von Regenwasser zu unterstützen. Heimische Pflanzenarten fördern die Biodiversität und tragen zur Klimawandelanpassung bei. Eine Vielzahl von Bäumen und Mischhecken bieten Lebensraum für Tiere und Insekten sowie ästhetische Vorteile. Der Grünraum als verbindendes Element wirkt ökologisch, funktional und therapeutisch und schafft eine heilende Landschaft für Mitarbeitende, Patient:innen und Besucher:innen.